Was einen guten Personalberater ausmacht

Eine klassische Stellenanzeige in der Zeitung ist in den allermeisten Branchen schon lange nicht mehr aktuell. Inzwischen hat sich die Jobsuche nahezu komplett auf Online-Jobbörsen und Karrierenetzwerke verlagert. Immer häufiger kommen dabei zusätzlich Social-Media-Kanäle zum Einsatz. (1) Jens Bracht, Geschäftsleiter der REHSEARCH GmbH, spricht im Interview über die Suche nach geeigneten Kandidaten, die Kompetenzen eines Personalberaters und erklärt, warum man im Beruf des Personalberaters eher von Vertrieb als HR spricht.

Worauf achtet ihr bei der internen Stellenbesetzung?


Jens Bracht: In aller erster Linie natürlich auf die Persönlichkeit der einzustellenden Person. Es ist uns sehr wichtig, dass die Kandidaten und Kandidatinnen in unser Team passen. Wenn Bewerbende gewisse Affinitäten oder Erfahrungen zu unseren drei Vermittlungsbereichen IT, Ingenieurwesen und Pflege mitbringen ist das von Vorteil, aber absolut kein Muss.

Was bedeutet denn "die Persönlichkeit muss passen"?


Jens Bracht: Darunter fallen viele Aspekte – Die intrinsische Motivation ist aber durchaus mit am wichtigsten. Als Personalberater arbeitet man oft eigenständig und man muss sich seine Aufgaben selbst suchen. Eine Neigung zur Lethargie würde es vermutlich erschweren, erfolgreich in diesem Beruf zu werden. Zudem ist auch eine Dienstleistungs- sowie Gastgebermentalität durchaus wünschenswert. Im heutigen Wettbewerb macht gerade die „bessere“ Dienstleistung den Unterschied. Somit ist es selbsterklärend, dass die eigene Leistung hervorstechen muss. Ist man stets daran interessiert, was man noch für den Kunden und Kandidaten tun kann, macht man Dinge aus Selbstverständlichkeit, auf die andere erst gar nicht kommen oder erst in ein paar Tagen erledigen.

 

Gibt es weitere Kompetenzen, die besonders wichtig sind?


Jens Bracht: Personalberater und Personalberaterinnen sollten kommunikativ sein und Lust auf andere Menschen haben - schließlich arbeiten sie den Großteil des Tages mit Menschen zusammen. Zudem sollten Personalberater ein gewisses Maß an Selbstorganisation mitbringen. Man kann seinen Markt als sein eigenes kleines Business betrachten. Im Endeffekt sieht man am Ende auf der Gehaltsabrechnung schließlich auch was man geschafft hat. Damit einher geht auch die Lust auf Vertrieb. Denn heutzutage ist man als Personalberater eher im Vertrieb als im HR tätig. 

Kannst Du das nochmal näher erläutern? Wieso spricht man heutzutage mehr von Vertrieb als von HR?


Jens Bracht: Wir sind Dienstleister und unsere Dienstleistung muss im ersten Schritt an den Mann bzw. an die Frau gebracht werden. Ohne Akquise geht es nicht. Man muss sich erarbeiten, dass Kunden von alleine auf einen zugehen, um eine Stelle besetzen zu lassen. Den Vertrieb kann man an vielen Stellen finden: Dienstleistungen verkaufen, die Stelle an einen Kandidaten verkaufen, der eigentlich gar nicht sucht, den Kandidaten dann an das suchende Unternehmen verkaufen, die Vermittlung leisten, dass beide Parteien dann übereinkommen und zum Schluss eine erfolgreiche Kundenbindung aufbauen und sich für neue Mandate empfehlen. Der Vertrieb steckt im Prinzip in jedem Schritt des Vermittlungsprozesses. 

Wie spielt die aktuelle Marktsituation auf die aktuellen Vermittlungsprozesse ein?


Jens Bracht: Der Kandidatenmarkt ist heutzutage der Flaschenhals und in vielen Märkten sicherlich unsere Daseinsberechtigung. Unternehmen müssen sich bei Kandidaten empfehlen, um sie gewinnen zu können. Wir verstehen uns daher als Vertriebs- und Marketingtool unserer Kunden. Wir können besser bzw. passgenauer als jede Stellenanzeige und Homepage an den Kandidaten bzw. die Kandidatin vermitteln, warum es sich lohnt, sich bei Unternehmen X oder Y vorstellen zu lassen. 

Kannst du zum Schluss noch Tipps geben, worauf man als Bewerbender achten sollte bzw. welche Anzeichen für unseriöse Personalberater sprechen?


Jens Bracht: Ein klares Indiz gibt es nicht, da jeder Personaler seine eigene Vorgehensweise entwickelt. Es ist bereits oft vorgekommen, dass Unternehmen bestimmte Kandidaten oder Kandidatinnen schon kennen, da sie bereits von einem anderen Dienstleister vorgestellt wurden. Allerdings weiß dieser Kandidat bzw. diese Kandidatin oft nichts von seinem Glück. Das geht schon allein wegen der DSGVO nicht, da vorher immer über die Weitergabe von Informationen und Daten aufgeklärt werden und ein Einverständnis gegeben werden muss. Solch ein Vorfall sollte also im Normalfall nicht vorkommen. Einen direkter Rückschluss auf Unseriösität kann und sollte man allein dadurch allerdings nicht direkt ziehen. 

Janina Eileen Schwikardi – B.A. Kommunikations- und Medienmanagement

 

Literaturverzeichnis: 


(1) Bernd Zipper (19.10.2021): Trends: Es geht um Menschen, nicht um Lebensläufe. Unter: https://www.beyond-print.de/das-richtige-personal-es-geht-um-menschen-nicht-um-lebenslaeufe/ (Abgerufen am 02.11.2021)